Besondere Lebenslagen von Menschen mit HIV und AIDS

Die Stiftung konzentriert sich mit ihrer Hilfe auf besonders benachteiligte Gruppen.

Älter werden mit HIV / AIDS

© Berliner AidshilfeDank des medizinischen Fortschritts stieg die Überlebenszeit betroffener Menschen seit Mitte der 90er Jahre. Durch die längere Überlebenszeit leben viele der Betroffenen nun auch länger in Armut. Heute kommen 41 Prozent der Hilfsanfragen von Menschen zwischen 40- bis 49-Jahren. Im Jahr 1993 waren es erst elf Prozent. Auch der Anteil der Hilfesuchenden zwischen 50 und 59 Jahren hat sich seit 1993 von einem Prozent auf 19 Prozent sehr stark erhöht. Trotz der neuen Therapien fordern das Virus und die Medikamente ihren Preis. Die körperlichen und geistigen Fähigkeiten und damit auch die Arbeitsfähigkeit nehmen im Laufe der Therapie stark ab. Die AIDS-Stiftung unterstützt daher auch verstärkt Hilfsprojekte mit einem Betreuungsangebot für diesen älteren Personenkreis.

HIV / AIDS und Armut

Bei HIV und AIDS ist die materielle Not vieler Betroffener besonders ausgeprägt. Dies hat vor allem mit dem Alter – oder besser gesagt mit der Jugend – der Menschen mit HIV und AIDS zu tun. Es sind insbesondere inzwischen ältere HIV-positive Menschen, die vor 1996 in jungen Jahren wegen der Nichtbehandelbarkeit von HIV/AIDS aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Sie erhielten damals sehr geringe Renten. Denn nur wer lange genug sozialversicherungspflichtig beschäftigt war, kann in der Regel aus eigenen Anstrengungen heraus ausreichende materielle Sicherheit erreichen oder durch die Sozialversicherung abgesichert sein. Für diese frühverrenteten Betroffenen gab und gibt es keinen Weg mehr zurück in die Erwerbsfähigkeit.

Es wundert daher nicht, dass 86 Prozent der bei der Stiftung Hilfesuchenden ihren Lebensunterhalt durch staatliche Hilfsleistungen (Sozialhilfe/Grundsicherung, Arbeitslosengeld II oder Wohngeld) bestreiten mussten. 43 Prozent der Antragsteller/innen bezogen Arbeitslosengeld II, waren also bedingt erwerbsfähig. Rund 29 Prozent alle Anfragenden erhielten Grundsicherung bzw. Sozialhilfe und waren somit nicht mehr erwerbsfähig.

Negative Auswirkungen der Sozialreformen für aidskranke Menschen

Die Gesundheitsreform, das Hartz IV-Gesetz und dessen Folgegesetze haben auf die Bezieher von Arbeitslosengeld II und Grundsicherung negative Auswirkungen. Die Einschränkungen staatlicher Hilfsleistungen spürt die AIDS-Stiftung durch höhere Aufwendungen im Bereich der Einzelhilfe.

Steigende Zuschüsse der AIDS-Stiftung für medizinische Hilfen

Seit dem 1. April 2004 gibt es bei gesetzlich Versicherten Sehhilfen über die Krankenkassen nur für Personen bis zum 18. Lebensjahr oder bei schweren Sehbehinderungen. Bei der Mehrzahl der HIV-positiven Menschen liegen die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Kostenübernahme nicht vor. Ihr niedriges Einkommen reicht jedoch nicht aus, die Kosten für Brillen und Hörgeräte zu tragen. Immer mehr Betroffene wenden sich mit der Bitte um Hilfe an die AIDS-Stiftung. Heute zahlt die Deutsche AIDS-Stiftung für Seh- und Hörhilfen etwa doppelt so viele Hilfsgelder aus, wie im Jahre 2003.

Zum 1. Januar 2005 verabschiedete der Staat sich von der bedarfsorientierten Nothilfe. Bis dahin erhielten Grundsicherungs- und Sozialhilfe-Bezieher im Notfall eine einmalige Beihilfe. Zum Beispiel beim Ausfall eines Kühlschranks oder zum Ersatz von Kleidung. Nach der Anhebung der Regelsätze um 15 Prozent wurden die Berechtigten aufgefordert, für Notfälle Geld anzusparen. Dies ist aber bei den niedrigen Regelsätzen gerade für HIV-infizierte und aidskranke Menschen nach Erfahrung der Stiftung nicht möglich.