„Eine Woche nicht an AIDS denken“ – Genesungsreisen für aidskranke Menschen

Vielen HIV-positiven Menschen helfen die vorhandenen Therapien sehr. Eine wachsende Zahl HIV-positiver Patienten leidet aber unter starken Nebenwirkungen der Medikamente oder ist bereits an AIDS erkrankt. Für diese Menschen ist es besonders wichtig einmal Abstand von ihrem Alltag mit HIV und AIDS zu nehmen. Alleine zu verreisen ist ihnen nicht möglich. Einem Betreuer die Reise zu bezahlen übertrifft ihre finanziellen Möglichkeiten. Viele haben nicht einmal genug Einkommen um die eigene einwöchige Reise innerhalb Deutschlands zu finanzieren.

Einige lokale AIDS-Hilfs-Organisationen sind in der Lage betreute Genesungsreisen vorzubereiten. Ihnen fehlen jedoch die Mittel die notwendigen Pfleger zu bezahlen und die Reisekosten für die aidskranken Teilnehmer zu übernehmen. Es ist kostspielig mit mehreren Rollstühlen und medizinischem Material auf die Reise zu gehen. Besonders ausgestattete Reisebusse sind selten und kosten höhere Mieten. Hier springt die Deutsche AIDS-Stiftung ein. Sie übernimmt die Extrakosten für das Pflegepersonal und bezuschusst die krankheitsbedingten Mehrkosten. Auch einige der besonders bedürftigen aidskranken Mitfahrenden erhalten einen Reisekostenzuschuss. Die Reisen dauern meistens mehrere Tage bis zu einer Woche und haben als Ziel die Nord- und Ostsee oder eines der deutschen Mittelgebirge.

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© Karsten Hein / Berliner AIDS-Hilfe Viele HIV-positive Menschen leiden stark an Begleiterkrankungen ihrer Infektion. Michael K.* ist 45 Jahre alt und hat vor zehn Jahren sein positives Testergebnis erhalten. Vor einigen Jahren entzündeten sich die Nerven seiner Beine so, dass er nur noch kurze Wege eigenständig gehen konnte. Gleichzeitig wurde er immer vergesslicher. Beides sind Krankheitsanzeichen, die durch HIV hervorgerufen werden. Inzwischen hat Michael in einem Betreuten Wohnprojekt eine neue Heimat gefunden. Trotz Rollstuhls verlässt er kaum noch sein Zimmer. Die Zahl seiner wenigen Freunde nimmt immer weiter ab.


Michael hat sich bereits während des grauen Berliner Winters auf die betreute Reise ins Oldenburger Land gefreut. Eine Woche lang kann er sein Zimmer verlassen
und auf dem Land leben. Mit ihm freuen sich weitere 23 schwer von AIDS gezeichnete Frauen und Männer auf diese Reise. Neun der 24 Reisenden sind ständig oder überwiegend auf Rollstühle und Gehhilfen angewiesen. Begleitet werden sie von einem Arzt, einem Physiotherapeuten und vier Krankenpflegern. Sie alle sorgen Tag und Nacht für das gesundheitliche Wohl ihrer Patienten. Der Schreck war groß als an einem Morgen ein Unterschenkel und Fuß von Michael stark anschwoll. Sofort kam der Verdacht einer gefährlichen Venenthrombose auf. Die Untersuchung in der Notfallstation in Oldenburg gab dann Entwarnung. Nach einem Tag Ruhe konnte Michael im Rollstuhl wieder an einem Ausflug teilnehmen.


Nach einer Woche kam die Gruppe gut erholt wieder in Berlin an. Spaziergänge, ein
Ausflug an die Nordsee und die Behandlungen des Physiotherapeuten hatten viel Gutes gewirkt.