Fachtag Flüchtlinge, Migrant*innen und HIV/AIDS

Aufklären. Versorgen. Menschenrechte sichern.

Am 18. Oktober 2016 lud die Deutsche AIDS-Stiftung zum Fachtag Flüchtlinge, Migrant*innen und HIV/AIDS nach Berlin ein. Rund 100 Teilnehmer*innen aus AIDS-Beratungsstellen, dem öffentlichen Gesundheitsdienst, aus Ministerien und der Krankenversicherung diskutierten mit Referent*innen aus Hilfsprojekten von und für Migrant*innen und Flüchtlinge über deren Erfahrungen.

Am Vormittag hatte Heidrun Nitschke vom Gesundheitsamt der Stadt Köln mit ihrem Referat „STI-Prävention für Geflüchtete – Mehr Fragen als Antworten“ einen Überblick über die Herausforderungen für den Öffentlichen Gesundheitsdienst und die dort tätigen Mitarbeiter*innen gegeben. Anschließend stellte Diana Kostrzewski von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA mit der multilingualen Webseite „Zanzu – mein Körper in Wort und Bild“ ein hilfreiches Tool vor, das im Beratungsgespräch Sprachbarrieren überwinden hilft. Achim Pohlmann von der gemeinnützigen eingetragenen Genossenschaft Sprint aus Wuppertal informierte über ein Netzwerk von Sprach- und Integrationsmittler*innen. Diese Personen können bundesweit angefordert werden, wenn in der Versorgung kompetent und kultursensibel gedolmetscht werden muss.

Am Nachmittag standen konkrete Projekte für Migrant*innen und Flüchtlinge im Mittelpunkt. Unter dem Titel „Erste Anlaufstellen für Migrant*innen und Geflüchtete stellte Piere Kemba Mayamba von der AIDS-Hilfe Essen e.V. das Projekt NEKABENE für Menschen aus Subsahara-Afrika vor. Stephan Jäckel von der Schwulenberatung Berlin gGmbH berichtete über den raschen Aufbau eines Angebotes für LSBTI-Geflüchtete und die Einrichtung einer Not- und Gemeinschaftsunterkunft in Berlin.

Kultursensible HIV/AIDS-Versorgungs- und Beratungsangebote standen bei Robert Akpabli und Martin Taschies vom Gesundheitsamt Bremen bei ihrem Bericht über das Bremer Afrika-Projekt BAP im Vordergrund. Frau Dr. Siri Göpel vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main informierte über HelpingHand, ein Projekt zur Patientenschulung und Begleitung von HIV-Patienten mit Migrationshintergrund.

Die wichtige Rolle von Migrant*innen als Mittler*innen zwischen Versorgungssystem und Community wurde in der dritten Arbeitsgruppe von Kass Kasadi für den Verein Baobab zusammensein e.V. thematisiert. Der Verein vernetzt Menschen aus Subsahara-Afrika im Flächenland Niedersachsen. Nicole Ziwitza von der AIDS-Beratung Mittelfranken der Stadtmission Nürnberg zeigte auf, wie Migrant*innen Präventionsveranstaltungen in Erstaufnahmeeinrichtungen durchführen und erste Ansprechpartner*innen für Geflüchtete sind.

In allen Arbeitsgruppen wurde intensiv diskutiert und Erfahrungen aus den Projekten ausgetauscht. Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass praxisnahe Fachtage wie dieser, gerne wiederholt angeboten werden können.

Die Deutsche AIDS-Stiftung dankt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die guten Gespräche und die Einbringung der eigenen Erfahrungen. 

Die Ergebnisse und Gespräche des Fachtags wurden in einer Broschüre zusammengestellt: Dokumentation zum Fachtag "Flüchtlinge, Migrant*innen und HIV/AIDS" (PDF-Dokument, 1,48 MB).

Die Präsentationen der Vorträge und Arbeitsgruppen können im Bereich Materialien & Downloads » heruntergeladen werden.  

Der Fachtag konnte dank der Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit und des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV) realisiert werden.