5 Fragen an Anne von Fallois
Geschäftsführende Vorstandsvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung
Frau von Fallois, Sie waren im Mai in den beiden HIV-Projekten DREAM in Kenia und HOPE Cape Town in Kapstadt. Mit welchem Eindruck sind Sie zurückgekehrt?
Aus den regelmäßigen Gesprächen mit unseren Partnern weiß ich, wie unverzichtbar unsere Hilfen dort sind. Vor Ort nun konnte ich mit vielen beeindruckenden Menschen sprechen. Mit Patientinnen und Patienten, mit Kindern und Jugendlichen und mit den medizinischen Fachleuten und Ehrenamtlichen aus beiden Projekten. Das war sehr wertvoll. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie hochprofessionell hier gearbeitet wird. Und erlebt, welche große Wirkung die Hilfe der Deutschen AIDS-Stiftung auf die Menschen hat.
Können Sie uns ein Beispiel aus Südafrika geben?
Mit Spenden für HOPE Cape Town sichern wir zum Beispiel seit einigen Jahren die Arbeit der Patientenbetreuerin Sonia. Sie ist das Gesicht von HOPE im Tygerberg-Krankenhaus in Kapstadt. Und eine wunderbare Person. Sonia kümmert sich liebevoll, sensibel und mit großem Einsatz auf vier Stationen um HIV-positive Mütter, Kinder und Neugeborene. Sie hat mir erzählt, dass die Frauen oft noch sehr jung sind und verunsichert. Dann sei es entscheidend, mit den richtigen Worten Ängste zu nehmen und von der lebensrettenden HIV-Therapie zu überzeugen. Ein schwerer Anblick waren für mich die frühgeborenen HIV-positiven Babys. Nicht alle überleben. Sonia erzählte mir, wie wichtig es dann ist, dass sie tröstet, in den Arm nimmt, zuhört.
Bei DREAM in Kenia waren Sie in den Gesundheitszentren, die die Menschen kostenlos medizinisch versorgen – mit HIV-Tests, HIV-Medikamenten und Untersuchungen. Wie ist die Atmosphäre dort?
Die Zentren arbeiten sehr professionell. Ich konnte die Behandlungsräume und Labore sehen, und habe mir zeigen lassen, wie die Patientendaten systematisch erfasst werden. Das machen auch Ehrenamtliche, die selbst mit HIV leben. Sie behalten den Überblick, wann wer zum letzten Mal im Zentrum war und wie viele HIV-Medikamente die Patienten bekommen haben. Ist der nächste Vorstellungs-Termin überschritten, haken die DREAM Mitarbeiter nach. Denn es ist wichtig, dass die Menschen lückenlos behandelt und begleitet werden – und möglichst niemand „verloren geht“.
DREAM kümmert sich besonders um schwangere Frauen mit HIV. Sie haben Frauen getroffen, die ein HIV-freies Baby dank DREAM geboren haben. Wie geht es den Familien?
Es war bewegend, sie zu treffen. Zu sehen, wie die Menschen leben, wie gut es den Müttern und Babys geht und mit welcher Kraft die Familien ihren Alltag bewältigen. Wir wurden überall herzlich empfangen. Trotz der widrigen Umstände in den sehr armen Gegenden im Norden Kenias waren die Menschen, mit denen ich gesprochen habe, optimistisch. Viele der jungen Frauen mit HIV haben Zukunftspläne. Sie erzählten, dass sie Ingenieurin oder Chirurgin werden wollen. Und ihre HIV-frei geborenen Kinder haben eine Chance, gut aufzuwachsen. Die Basis dafür hat DREAM mit unserer Hilfe geschaffen.
Wie wirken sich die großen Kürzungen in der US-amerikanischen Entwicklungshilfe im Kampf gegen HIV in Afrika aus?
Viele Jahre waren die USA das größte Geberland. Die Trump-Administration hat das Engagement gegen HIV nun radikal zurückgefahren. Mitarbeitende in HIV-Hilfsprojekten mussten von heute auf morgen ihre Arbeit einstellen, Daten zum Infektionsgeschehen wurden nicht mehr gesammelt, Forschungsvorhaben beendet. Zum Glück sind HOPE und DREAM bislang nicht unmittelbar betroffen, aber überall herrscht Unsicherheit, wer künftig die lebensrettenden Medikamente finanziert. Für die Deutsche AIDS-Stiftung ist klar: Wir bleiben an der Seite unserer Partner und der Menschen! Wir setzen uns weiter dafür ein, dass sie trotz ihrer HIV-Infektion ihr Leben gut und würdig gestalten können. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung – heute mehr denn je!









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