» Ein paar Tage in der Gruppe, ohne Angst vor Stigmatisierung. Das ist eine Kraftquelle für viele Reisende. «
aus einem Bericht an die Deutsche AIDS-Stiftung.
Dass ihm die Gruppenfahrt so viel Energie geben würde, hätte Robert S. nicht gedacht. Er zögerte sogar, mitzufahren. Schon lange lebt er zurückgezogen, hat wenig Kontakt mit anderen. Er habe zu wenig Selbstvertrauen, um in der Gemeinschaft zu bestehen, sagte er dem Team der Aidshilfe. Die Organisatoren konnten Robert S. seine Ängste nehmen. Heute ist er glücklich, dass er mitgefahren ist.
Die Deutsche AIDS-Stiftung fördert Projekte, die Menschen mit HIV und Aids aus der Einsamkeit holen. Begleitete Gruppenfahren gehören dazu. Vor allem Frauen und Männer, die körperlich sehr eingeschränkt sind, haben oftmals wenig Gelegenheit „rauszukommen“. Und Furcht vor gesundheitlichen Situationen. Sie brauchen Begleitende, die sich mit HIV bestens auskennen, die Verständnis mitbringen für ihre Biografie, ihre Sorgen und Wünsche.
Deshalb wird vieles vorab detailliert besprochen. Wie soll im Notfall verfahren werden? Welche pflegerischen Maßnahmen sind wichtig, welche aktuelle Medikation gibt es? Informationen über das geplante Programm und über die Mitreisenden gehören auch dazu.
Robert S. hat auf der Reise Bekanntschaften geschlossen und er traut sich jetzt öfter zu Angeboten der Aidshilfe. Hier trifft er andere, die mitgefahren sind. Hier kann er offen Fragen stellen zu allem, was ihn in seinem Leben mit HIV beschäftigt.
» Es war das Schönste in meinem Leben. «
Erfreut und gleichzeitig überrascht war das Leitungsteam der Münchner Aidshilfe über die Rückmeldung von Samuel B. zur „Auszeit für geflüchtete Männer“: Das Schönste im ganzen Leben? Zu ihren „Aidshilfe-Adventures“ hatte die Beratungsstelle Samuel und 13 weitere Männer mitgenommen. Alle Reisenden sind Geflüchtete, die ihre Heimat verlassen mussten, weil sie wegen ihrer sexuellen Orientierung oder wegen HIV schlimme Repressionen ertragen mussten oder damit zu rechnen hatten. In den sechs Adventure-Tagen standen unter anderem Ausflüge, gemeinsames Kochen und Workshops zum Schutz vor HIV und zu Diskriminierung auf dem Programm.
In der Gemeinschaft und in einer Atmosphäre, in der sich die Männer willkommen fühlten, konnte einige Teilnehmer erstmals offen Fragen stellen zu HIV. In ihrer Heimat hatten sie gelernt, sich zu verstecken. In der Gruppe konnten sie sich heraustrauen. Viele Jahre standen die jungen Männer unter misstrauischer Beobachtung, einige haben Gewalt erfahren. In der Adventure-Gruppe konnten sie jetzt so sein, wie sie sind. Es wurde diskutiert, gelacht, getanzt – und auch über HIV gesprochen. Sechs Tage können zum Schönsten werden, was ein Mensch bis dahin erlebt hat!
» Gemeinschaft erleben, stark werden in der Gruppe «
Wie wichtig wenige Tage Auszeit im Jahr sein können, weiß auch ZiK in Berlin. Deshalb bietet der Sozialdienstleister seit vielen Jahren Gruppenfahrten für Menschen mit HIV und Aids an. Es geht stets an einen ruhigen Ort fernab der hektischen Großstadt. Aktionen plant das Organisations-Team mit Rücksicht auf die gesundheitliche Verfassung der Teilnehmenden. Immer gibt es auch Gelegenheiten, ein vertrauensvolles Gespräch mit den Fachleuten zu führen.
Für viele Reisende ist es nicht selbstverständlich, eine harmonische Gemeinschaft erleben, in der es keine Vorbehalte gibt. Die Gruppe trägt auch einzelne, die sich auf den Fahrten mehr zutrauen als zu Hause. Immer wieder berichten uns Beratungsstellen, dass Männer und Frauen geradezu über sich hinauswachsen. Längere Spaziergänge und Ausflüge zum Beispiel hätten sich manche ohne Fachbegleitung und die anderen aus der Gruppe vorher nicht zugetraut. Neu motiviert, zehren die Frauen und Männer noch lange nach der Rückkehr von den Erlebnissen, einige der Reisenden kommen häufiger zu den Angeboten der Beratungsstellen.
Damit auch bedürftige Personen auf Gruppenfahrten mitfahren können, springt die Stiftung fördernd ein. 2024 hat die Deutsche AIDS-Stiftung bundesweit 16 begleitete Gruppenreisen mit insgesamt 128 HIV-positiven und aidskranken Menschen gefördert. Dafür stellte sie rund 50.000 Euro bereit.
Besonders bewegt haben uns diese Zeilen aus dem Bericht einer Berliner Gruppe: „Es war die letzte Reise eines Klienten. Er hatte Krebs im Endstadium und verstarb kurz danach. Zu sehen, wie viel Freude und wie viel gute Stimmung er mitbrachte, berührte uns alle sehr. Alle haben sich gefreut, dass er noch einmal Teil der Gruppe sein konnte. Der Deutschen AIDS-Stiftung danken wir auch im Namen der Teilnehmer*innen von ganzem Herzen. Ohne Sie wäre diese Fahrt nicht möglich gewesen.“






